Ständiges Wiegen – eine gewa(a)gte Analyse

Weshalb tägliches Wiegen nachteilig beim Abnehmen ist

Wiegen – Aus Sicht einer Waage

Ständiges Wiegen birgt Nachteile

Foto: © viperagp

Jeden Morgen dasselbe – der Wecker klingelt, die Badezimmertür geht auf…orientierungslos torkelt sie/er auf mich zu. Dann der Moment, der darüber entscheidet, ob es ein guter oder schlechter Tag wird. Noch einmal kurz Luft holen und ich – die Waage – werde „bestiegen“. „Sch…Waage“ hallt es durch das Badezimmer. Das war eindeutig. Der Tag ist erstmal gelaufen.

Wiegen – für viele Menschen ein tägliches Ritual. Oft mehrmals am Tag. Doch warum ist dies so? Welche Erwartungen verknüpfen wir mit dem Gang auf die Waage? Und weshalb können diese nur selten erfüllt werden? Der folgende Artikel gibt Antwort auf diese und weitere Fragen. Zudem verrate ich dir, weshalb es sinnvoll sein kann, deine Waage einfach mal in den Urlaub zu schicken.

Ständiges Wiegen – Die Erwartungen sind hoch

Die Personenwaage ist vielmehr als nur ein Messgerät. Es verrät uns scheinbar, ob unser Plan beim Gewichtsmanagement aufgeht. Doch ist dies wirklich so? Zunächst stellen wir uns mit hohen Erwartungen auf die Waage.

Was erwarten wir:

  • Gewichtsentwicklung (meist Reduktion)
  • große Veränderungen (meist bei Reduktion)
  • Bestätigung unserer Handlungen (z.B. Ernährungsumstellung)
  • visuelles „Lob“ (weniger Gewicht)

Was ist jedoch der Indikator für diese Erwartungen? Diese machen wir nämlich an einer einzigen Zahl fest – dem Körpergewicht. Doch wie aussagekräftig ist diese Zahl z.B. bei einer Gewichtsreduktion? Überhaupt nicht! Sie gibt weder Auskunft über den genauen Körperfettanteil (Den wollen wir doch reduzieren!?), noch über den Anteil der Muskelmasse (Diesen sollten wir erhöhen!). Hinzu kommt der Wasserhaushalt, der den größten Einfluss auf kurzfristige Veränderungen des Körpergewichts nimmt. Tägliches, oder mehrmals tägliches Wiegen hat somit keine Aussagekraft über „Erfolg“ oder „Misserfolg“ beim Gewichtsmanagement.

Ständiges Wiegen – Wenn die Waage zum schlimmsten Feind wird

Die Erwartungen sind hoch – so viel steht fest. Was passiert allerdings, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden?

Ein Beispiel:
Du möchtest dein Gewicht (Körperfett) reduzieren und unternimmst die nötigen Schritte (Sport, Ernährung, Krafttraining), um dein Ziel zu erreichen. Du investierst viel Zeit und möglicherweise auch viel Geld. Mit dem „Wunsch nach Erfolg“ steigst du nun auf die Waage. Der Schrecken ist groß: „Ich habe wieder zugenommen!!!“ Eine einzige Zahl (Gewicht) nimmt nun massiven Einfluss auf dein Handeln. Beispiele gefällig:

Die eigene Strategie wird infrage gestellt. Oftmals ist die Erwartungshaltung so groß, dass die Geduld darunter leidet. Strategien werden dadurch komplett auf den Kopf gestellt. Das Ergebnis: Man reagiert sprichwörtlich kopf- und orientierungslos.

Die Situation frustriert, was besonders gefährlich ist. Frustration führt schnell zu Trotzreaktionen. Zügelloses Essen, auch als Frustessen bekannt ist eine davon. Eine weitere Trotzreaktion ist das „Kalorienreduzieren“. In diesem Fall wird gezielt auf Mahlzeiten verzichtet, um das Gewicht zu reduzieren. Besonders gefährlich, denn genau an dieser Stelle lauern die Heißhungerattacken.

Dauerhaftes Wiegen kann also dazu führen, dass wir immer mehr getrieben werden, von unserem Körpergewicht und dieser einzigen Zahl. Einer Zahl, die in Wirklichkeit keine Aussagekraft besitzt.

Ein wa(a)ge Vorstellung

Wenn es dir deine Waage nicht Recht machen kann, dann schick sie doch einfach einmal in den Urlaub. Raus aus dem Badezimmer, rein in den nächsten Karton und ab auf den Dachboden oder einen geheimen Ort. Entferne sie aus deinem Sicht- und Handlungsfeld. Mach dich frei davon, den täglichen Erfolg und Misserfolg an deinem Körpergewicht zu messen. Anfangs fällt dies sicherlich nicht leicht. Langfristig gesehen, bringt es jedoch viele Vorteile. Definiere künftig besser feste Termine, an denen du dich wiegst. Während einer Gewichtsreduktion kann dies alle 2-4 Wochen sein.

Wichtig beim Wiegen:

  • wiege dich stets am selben Wochentag
  • wiege dich stets zur selben Uhrzeit
  • halte das Körpergewicht schriftlich fest

Um den Erfolg beim Gewichtsmanagement noch genauer zu definieren, empfehle ich dir vierteljährlich eine Bioimpedanzanalyse. Diese gibt genaue Auskunft über deinen Körperfettanteil und weitere wichtige Parameter, die dich beim Gewichtsmanagement unterstützen.